Die Lage

Wie es Lehrkräften geht

Diese Seite trägt zusammen, was das Deutsche Schulbarometer über die Belastung von Lehrkräften weiß - und was es nicht weiß. Sie ist als Wissensseite gedacht, nicht als Werbung: Jede Zahl steht mit Fundstelle und Erhebungsjahr da, auch die, die gegen ein Fortbildungsangebot sprechen.

Zur Einordnung

Woher die Zahlen kommen

Wer befragt wurde. forsa befragt für die Robert Bosch Stiftung jedes Jahr rund 1.500 Lehrkräfte online, repräsentativ für allgemein- und berufsbildende Schulen. Zuletzt waren es 1.547 Lehrkräfte vom 11. November bis 2. Dezember 2025. Die Fehlertoleranz liegt bei plus oder minus drei Prozentpunkten, in Untergruppen mehr.

Warum hier Erhebungsjahre stehen. Die Berichte tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung im Titel, befragt wird aber immer im November und Dezember davor. Der Bericht 2026 zeigt also den Stand vom Jahresende 2025. Auf dieser Seite steht deshalb überall dabei, wann wirklich gefragt wurde.

Was „Lehrkräfte“ hier heißt. Befragt werden Lehrkräfte und (stellvertretende) Schulleitungen; der Bericht fasst beide Gruppen unter „Lehrkräfte“ zusammen, und diese Seite tut es ihm gleich.

Wofür ich das zusammentrage: Stressprävention für Lehrkräfte · Was im Unterricht ansetzt

Erschöpfung

Wie oft Lehrkräfte erschöpft sind

Gemessen wird mit einer Kurzfassung des Maslach Burnout Inventory - dem Fragebogen, mit dem die Burnout-Forschung üblicherweise arbeitet. Gefragt wird nicht, ob jemand erschöpft ist, sondern wie oft.

Häufigkeit von Erschöpfung bei Lehrkräften Auf die Aussage „Ich fühle mich durch meine Arbeit erschöpft“ antworten 12 Prozent täglich, 24 Prozent mehrmals pro Woche, 30 Prozent mehrmals im Monat, 10 Prozent einmal im Monat, 16 Prozent mehrmals im Jahr, 6 Prozent einmal im Jahr und 3 Prozent nie. Über die drei Erhebungen von 2023 bis 2025 bleiben die Werte nahezu unverändert. „Ich fühle mich durch meine Arbeit erschöpft.“ 1.547 Lehrkräfte, befragt im November und Dezember 2025 12 24 30 10 16 täglich · 12 % mehrmals pro Woche · 24 % mehrmals im Monat · 30 % einmal im Monat · 10 % mehrmals im Jahr · 16 % einmal im Jahr · 6 % nie · 3 % Über drei Erhebungen nahezu unverändert Nov/Dez 2023 Nov/Dez 2024 Nov/Dez 2025 12 % · 24 % 10 % · 24 % 12 % · 24 % Werte wie im Bericht gedruckt; Summe 101 % durch Rundung.
Verteilung (Nov/Dez 2025) und die Vorjahreswerte: Deutsches Schulbarometer 2026, S. 61, Abb. 5.6 und Fließtext. Werte für Nov/Dez 2023: Deutsches Schulbarometer 2024, S. 43.

Täglich und mehrmals pro Woche zusammengenommen sind das 36 %, also gut ein Drittel der Lehrkräfte. Der Bericht nennt die beiden obersten Stufen getrennt und addiert sie nicht - die Zusammenfassung ist an dieser Stelle meine.

Bemerkenswerter als die Höhe ist die Ruhe in den Zahlen. Über drei Erhebungen hinweg bewegt sich nichts. Der Bericht stellt fest, dass sich auf der Ebene der mittleren Trends keine bedeutsame Veränderung zeigt. Bei über 90 % der wiederholt Befragten lag kein statistisch bedeutsamer Unterschied vor (S. 62). Was auch immer diese Belastung erzeugt, es wirkt gleichmäßig weiter.

Der Fragebogen misst, wie häufig Erschöpfung erlebt wird. Er stellt keine Diagnose. „24 Prozent erschöpft“ heißt nicht „24 Prozent haben Burnout“.
Die andere Hälfte

Zynismus - der Teil, den man selten zitiert

Der Fragebogen misst zwei Dinge: Erschöpfung und Zynismus, also die innere Distanzierung von den Menschen, mit denen man arbeitet. Zitiert wird fast immer nur die Erschöpfung. Hier stehen beide Hälften nebeneinander.

Erschöpfung und Zynismus im Vergleich Sieben Aussagen, vier zur Erschöpfung und drei zum Zynismus. Rechts steht jeweils, wie viele Lehrkräfte das täglich oder mehrmals pro Woche erleben. Bei der Erschöpfung sind das 36, 19, 14 und 8 Prozent, beim Zynismus nur 4, 8 und 2 Prozent. Der helle Rahmen steht für alle 1.547 Befragten. Wie oft erleben Lehrkräfte das? 1.547 Lehrkräfte, befragt im November und Dezember 2025 täglich mehrmals pro Woche seltener bis nie Rechts stehen die beiden roten Anteile zusammengerechnet. Erschöpfung zusammen durch die Arbeit erschöpft 36 % morgens schon müde vor dem Schultag 19 % die Arbeit frustriert mich 14 % am Ende des Schultags deprimiert 8 % Zynismus zusammen behandele Schüler:innen unpersönlich 4 % Arbeit verhärtet mich emotional 8 % gleichgültig gegenüber Menschen geworden 2 % Die Summen rechts habe ich gebildet; der Bericht nennt keine. Die Beschriftungen sind gekürzt; der Wortlaut steht unter der Grafik.
Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 61, Abb. 5.6. Die Aussagen lauten vollständig: „Ich fühle mich durch meine Arbeit erschöpft.“ · „Ich fühle mich schon müde, wenn ich morgens aufstehe und wieder einen Schultag vor mir habe.“ · „Meine Arbeit frustriert mich.“ · „Ich bin am Ende des Schultages richtig deprimiert.“ · „Ich glaube, ich behandele Schüler:innen zum Teil ziemlich unpersönlich.“ · „Ich befürchte, dass diese Arbeit mich emotional verhärtet.“ · „Seit ich Lehrkraft bin, bin ich gleichgültig gegenüber Menschen geworden.“ Wo der Bericht statt einer Zahl ein Sternchen druckt, steht laut seiner Fußnote 1 % - das betrifft „täglich“ bei der ersten und der dritten Zynismus-Aussage sowie „mehrmals pro Woche“ bei der dritten.

Der Unterschied ist deutlich. Fast die Hälfte der Lehrkräfte (47 %) sagt, sie behandle Schüler:innen nie unpersönlich; zwei Drittel (67 %) sind nie gleichgültig geworden. Der Bericht formuliert es so: Für die Distanzierung seien die Werte „deutlich niedriger“, die Lehrkräfte berichteten „mehrheitlich, dass sie sehr selten den Eindruck haben, ihre Schüler:innen unpersönlich zu behandeln“ (S. 61).

Das ist ein Befund, der gegen die einfache Erzählung steht. Wer erschöpft ist, hat deshalb noch nicht innerlich gekündigt. Und noch etwas gehört dazu: Für den Zynismus nennt der Bericht keine zusammenfassenden Prozentzahlen, anders als bei der Erschöpfung. Wer irgendwo eine liest, liest eine selbst gebildete.

Das hat Folgen für das Wort, das meistens benutzt wird. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burn-out in der ICD-11 als Syndrom mit drei Merkmalen: Erschöpfung, innere Distanz zur eigenen Arbeit oder Zynismus ihr gegenüber, und das Gefühl, weniger zu leisten. Die Distanzierung ist Teil der Definition und kein Nebenaspekt. In diesen Zahlen erleben 36 % die Erschöpfung regelmäßig und 2 bis 8 % die Distanzierung. Was das Schulbarometer zeigt, ist deshalb nicht das, was der Begriff meint. Es ist Erschöpfung bei erhaltener Zuwendung. Müde, nicht abgewandt.

Zwei Dinge sprechen dagegen, das zu weit zu treiben. Die Gruppe mit beidem gibt es: Ein Drittel der Lehrkräfte fällt in die beiden unteren Wohlbefindensprofile, 14 % in das Profil „erschöpft - zynisch“. Die Grafik oben zählt nur, wer etwas täglich oder mehrmals pro Woche erlebt; die Profile rechnen über alle Antwortstufen. Und die Fragen sind nicht gleich leicht zu beantworten. Dass man morgens müde ist, gibt man ohne Weiteres zu. Dass man Schüler:innen unpersönlich behandelt, widerspricht dem Selbstbild fast jeder Lehrkraft. Ein Teil des Unterschieds liegt deshalb in der Frage und nicht in der Sache.

Der Widerspruch

Zufrieden - und trotzdem auf dem Sprung

Wer nur die Erschöpfungszahlen zeigt, erzählt die Hälfte. Dieselbe Befragung zeigt hohe Zufriedenheit.

Zufriedenheit und Wechselwunsch von Lehrkräften 89 Prozent der Lehrkräfte arbeiten gerne an ihrer Schule, 83 Prozent sind alles in allem mit ihrer Arbeit zufrieden. Zugleich würden 28 Prozent den Beruf wechseln, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Dieselben 1.547 Lehrkräfte, dieselbe Befragung „Ich arbeite gerne an meiner Schule.“ 89 % „Alles in allem bin ich mit meiner Arbeit zufrieden.“ 83 % Würde den Beruf wechseln, wenn sich die Möglichkeit böte 28 % Zufriedenheit: „voll und ganz“ + „eher“. Wechsel: „ja“ + „eher ja“.
Deutsches Schulbarometer 2026, S. 55/56, Abb. 5.1, und S. 59, Abb. 5.4. Die Frage zum Wechsel lautet wörtlich: „Würden Sie in einen anderen Beruf wechseln, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?“ Die Summe aus „ja“ und „eher ja“ bildet der Bericht selbst (S. 11).

Das ist kein Messfehler, sondern der Kern der Sache. Die meisten mögen ihren Beruf. Gut ein Viertel würde ihn trotzdem verlassen, wenn sich die Gelegenheit ergäbe.

Berufswechselbereitschaft nach Schularten Über alle Befragten sagen 10 Prozent ja und 18 Prozent eher ja, zusammen 28 Prozent. An Haupt-, Real- und Gesamtschulen sind es 17 und 18 Prozent, zusammen 35 Prozent. An Grundschulen 8 und 21 Prozent, an Gymnasien 7 und 22 Prozent, jeweils zusammen 29 Prozent. An beruflichen Schulen 8 und 12 Prozent, zusammen 20 Prozent. Am niedrigsten liegen Förder- und Sonderschulen mit 9 und 9 Prozent, zusammen 18 Prozent. Wo der Wechselwunsch am größten ist nach Schularten, Nov/Dez 2025 ja eher ja alle Befragten 10 18 28 % Haupt-, Real-, Gesamtschulen 17 18 35 % Grundschulen 8 21 29 % Gymnasien 7 22 29 % Berufliche Schulen 8 12 20 % Förder- / Sonderschulen 9 9 18 % Rechts „ja“ und „eher ja“ zusammen: für alle Befragten so im Bericht, die Summen je Schulart habe ich selbst gebildet.
Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 60, Abb. 5.5. Die Zeilen für Förder-/Sonderschulen und Berufliche Schulen summieren im Bericht auf 102 bzw. 99 Prozent - so gedruckt, durch Rundung.

Auffällig ist, woran es nicht liegt: Alter und Geschlecht spielen für den Wechselwunsch laut Bericht keine statistisch bedeutsame Rolle (S. 59). Die Schulart dagegen schon - an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sagt jede sechste Lehrkraft klar Ja, an Gymnasien jede vierzehnte.

Verteilung

Es trifft nicht alle gleich

Die Durchschnittszahl verdeckt, dass sich die Belastung in Gruppen ballt. Der Bericht nennt an dieser Stelle keine Prozentwerte, sondern nur Richtungen - deshalb steht auch hier keine Grafik.

Jünger heißt erschöpfter

Je jünger die Lehrkräfte, desto häufiger berichten sie von Erschöpfung und Zynismus. Die höchsten Werte liegen bei den unter 40-Jährigen, die niedrigsten bei den über 60-Jährigen.

Frauen häufiger als Männer

Bei der emotionalen Erschöpfung berichten Frauen bedeutsam häufiger. Beim Zynismus gibt es keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Ohne Leitungsfunktion stärker

Schulleitungen berichten seltener von Erschöpfung und von Zynismus als Lehrkräfte ohne Leitungsfunktion.

Nach Schulform

Häufiger erschöpft sind Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Besonders niedrige Werte berichten Lehrkräfte an Förderschulen. Unterschiede nach Alter und Geschlecht sind dabei herausgerechnet.

Zwei Nebenbefunde, die gegen gängige Annahmen stehen: Quer- und Seiteneinsteiger:innen berichten leicht niedrigere Werte in der emotionalen Erschöpfung als traditionell ausgebildete Lehrkräfte. Und es gibt regionale Unterschiede - in Bayern und Baden-Württemberg niedrigere Werte, in Nordrhein-Westfalen die höchsten.

Das hat eine Folge für jede Maßnahme: Ein Angebot „für alle“ trifft ein Problem nur ungenau, das sich in Teilgruppen ballt. Wer im eigenen Kollegium gemeint ist, steht ohnehin in keiner bundesweiten Statistik.

Vier Muster

Nicht ein Kollegium, sondern vier Gruppen

Die Befragung von Ende 2024 hat die Lehrkräfte nicht nach Merkmalen sortiert, sondern nach ihrem Antwortmuster. Aus Zufriedenheit, Erschöpfung und Zynismus ergaben sich vier Gruppen, die der Bericht Wohlbefindensprofile nennt.

Vier Wohlbefindensprofile und ihr Fortbildungswunsch Zum Profil glücklich gehören 33,5 Prozent aller Lehrkräfte; von ihnen wünschen sich 14 Prozent eine Fortbildung zum Umgang mit beruflichen Belastungen. Beim Profil zufrieden bis leicht erschöpft sind es 33,6 Prozent der Lehrkräfte und 27 Prozent innerhalb der Gruppe, beim Profil unzufrieden und erschöpft 18,7 und 42 Prozent, beim Profil erschöpft und zynisch 14,2 und 46 Prozent. Wer sich eine Fortbildung wünscht 1.488 Lehrkräfte, befragt im November und Dezember 2024 Anteil aller Lehrkräfte davon mit Fortbildungs- wunsch „glücklich“ 33,5 % 14 % „zufrieden - leicht erschöpft“ 33,6 % 27 % „unzufrieden - erschöpft“ 18,7 % 42 % „erschöpft - zynisch“ 14,2 % 46 % Ein Drittel der Lehrkräfte fällt in die beiden unteren Gruppen. Rechts steht der Rahmen für die ganze Gruppe. Die Namen der Profile stammen aus dem Bericht.
Schulbarometer Lehrkräfte 2025, S. 63, Abb. 5.7 (Profile) und S. 68, Abb. 5.9 (Fortbildungsbedarf). Die Gruppen entstanden über ein Clusterverfahren nach Ward und k-Means - ein Verfahren, das Personen mit ähnlichem Antwortmuster zusammenfasst, hier über die drei Skalen berufliche Zufriedenheit, emotionale Erschöpfung und Zynismus. Die 1.488 sind die Summe der vier Gruppen; befragt wurden 1.540 Lehrkräfte. Der Fragebogen jenes Jahres nennt das Thema vollständig „Umgang mit beruflichen Belastungen / Gesundheitsförderung“ (S. 120).

Zwei Drittel der Lehrkräfte geht es gut oder überwiegend gut. Das letzte Drittel teilt sich in zwei Gruppen, die der Bericht Risikoprofile nennt: unzufrieden und erschöpft die eine, zusätzlich zynisch die andere.

Der zweite Balken zeigt etwas, das man nicht unbedingt erwartet: Der Wunsch nach Fortbildung steigt mit der Belastung, von 14 % bei den Zufriedenen auf 46 % bei den am stärksten Belasteten. Der Bericht liest das so: „Dies spricht dafür, dass zumindest etwa die Hälfte der hoch belasteten Lehrkräfte grundsätzlich offen dafür ist, sich zu diesem Thema fortzubilden“ (S. 67).

Man kann es auch andersherum lesen, und das gehört dazu: Die Hälfte der hoch Belasteten wünscht sich eben keine Fortbildung. Wer erschöpft ist, will nicht unbedingt noch einen Termin. Diese Zahlen stammen aus der Befragung Ende 2024; im Bericht des Folgejahres wurden die Profile nicht fortgeschrieben.

Die Zusammenhänge

Was damit zusammenhängt - und was nicht

Dieselbe Befragung beziffert, welche Merkmale einer Schule mit Erschöpfung und Unzufriedenheit zusammenhängen. Alle Merkmale stehen gleichzeitig im Modell; herausgerechnet ist, was an Alter, Geschlecht oder Schulform liegt.

Schutz- und Risikofaktoren für das Wohlbefinden von Lehrkräften Balken nach rechts stehen für Risikofaktoren, nach links für Schutzfaktoren. Probleme mit Gewalt unter Schüler:innen hängen mit 0,25 am stärksten mit emotionaler Erschöpfung zusammen, der Anteil Kinder aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen mit 0,10. Eine kooperative Schulkultur hängt mit minus 0,42 am stärksten mit geringerer beruflicher Unzufriedenheit zusammen, Unterstützung durch Schulsozialarbeit mit minus 0,21. Klassengröße, Anteil sonderpädagogischer Förderbedarf, Deutschkenntnisse und Schulgröße liegen nahe null. Der Bericht nennt als Maßstab: ab 0,1 klein, ab 0,3 mittel, ab 0,5 groß. Was mit dem Wohlbefinden zusammenhängt standardisierte Regressionskoeffizienten, 1.547 Befragte emotionale Erschöpfung berufliche Unzufriedenheit -0,4 -0,2 0 0,2 schützt belastet Probleme mit Gewalt unter Schüler:innen 0,25 0,10 Anteil Kinder aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen 0,10 0,08 Klassengröße 0,02 0,03 Anteil mit sonderpädagogischem Förderbedarf 0,02 0,01 Anteil mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen -0,02 0,06 Schulgröße -0,06 -0,01 Unterstützung durch Schulsozialarbeit -0,14 -0,21 kooperative Schulkultur -0,15 -0,42 Maßstab des Berichts: ab 0,1 klein · ab 0,3 mittel · ab 0,5 groß Querschnittsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Deutsches Schulbarometer 2026, S. 64, Abb. 5.7. Vier der acht Merkmale liegen praktisch bei null: Klassengröße, Anteil sonderpädagogischer Förderbedarf, Deutschkenntnisse und Schulgröße.

Das Ergebnis widerspricht der üblichen Debatte. Klassengröße, Schulgröße, der Anteil mit sonderpädagogischem Förderbedarf und der Anteil mit geringen Deutschkenntnissen hängen in diesen Daten nicht mit dem Wohlbefinden der Lehrkräfte zusammen. Ein kleiner Zusammenhang zeigt sich für die soziale Lage: An Schulen mit vielen Kindern aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen ist die Erschöpfung etwas höher. Deutlich stärker hängt das soziale Geschehen zusammen - Probleme mit Gewalt unter Schüler:innen auf der einen Seite, ein Kollegium mit gemeinsamen Zielen auf der anderen.

Der Bericht formuliert es vorsichtig. Das Ergebnis deute darauf hin, dass das soziale Klima und die vorhandenen Unterstützungsstrukturen für die Schüler:innen eine größere Rolle spielen als strukturelle Merkmale wie Klassen- oder Schulgröße. Angebote für die Lehrkräfte selbst hat die Befragung nicht erhoben.

Diese Zahlen stammen aus einer Momentaufnahme. Sie zeigen, was miteinander einhergeht. Ob das eine das andere verursacht, lässt sich daraus nicht ablesen - der Bericht weist ausdrücklich darauf hin.
Ein Schutzfaktor

Was Lehrkräfte sich selbst zutrauen

Neben den Merkmalen der Schule erhebt die Befragung auch etwas Persönliches: ob Lehrkräfte sich zutrauen, ihren Unterricht so zu gestalten, dass er sehr unterschiedlichen Kindern gerecht wird. Im Bericht heißt das Selbstwirksamkeitserleben.

Zusammenhänge des Selbstwirksamkeitserlebens Ein höheres Selbstwirksamkeitserleben geht mit geringerem Belastungserleben im Umgang mit heterogenen Lerngruppen einher, Korrelation minus 0,46, mit weniger Zynismus minus 0,36, mit geringerer emotionaler Erschöpfung minus 0,29 und mit einer geringeren Neigung zum Berufswechsel minus 0,27. Je mehr sich Lehrkräfte zutrauen, desto … Korrelationen, Befragung von 1.547 Lehrkräften, Nov/Dez 2025 … geringer die Belastung durch heterogene Lerngruppen -0,46 … weniger Zynismus -0,36 … geringer die emotionale Erschöpfung -0,29 … seltener der Wunsch, den Beruf zu wechseln -0,27 Der Bericht nennt einen Wert von 0,31 eine mittelstarke Korrelation. Querschnittsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 47 (Belastungserleben), S. 49 (übrige Werte) und S. 46 (Maßstab). Gemeint ist ausdrücklich das Selbstwirksamkeitserleben „in Bezug auf die Gestaltung eines inklusiven Unterrichts“ - nicht Selbstwirksamkeit im Umgang mit Stress.

Wer sich zutraut, mit sehr unterschiedlichen Kindern zurechtzukommen, erlebt die Vielfalt in der Klasse als weniger belastend, ist seltener erschöpft und denkt seltener ans Aufhören. Von allen persönlichen Merkmalen, die die Befragung erhebt, hängt dieses am deutlichsten mit dem Wohlbefinden zusammen.

Eine Einschränkung, die zählt: Gemeint ist hier das Zutrauen in den eigenen Unterricht, nicht das Zutrauen im Umgang mit Stress. Aus diesen Zahlen folgt deshalb nicht, dass ein Achtsamkeitstraining über den Umweg Selbstwirksamkeit die Erschöpfung senkt. Diese Kette steht nirgends in den Daten. Was hier steht, ist ein Argument für gute Fortbildung zum Unterrichten - nicht für ein Stressseminar.

Wie viel sich die Lehrkräfte zutrauen, geht dabei weit auseinander: 76 % trauen sich zu, das Unterrichtsangebot an den Lernstand anzupassen, aber nur 50 % glauben, ihr Unterricht werde allen Schüler:innen gerecht (S. 48). Was dazu bekannt ist, steht unter Was im Unterricht ansetzt.

Die Folgerung

Etwas hinzufügen oder etwas weglassen

Drei Erhebungen, dieselben Werte. Wenn sich nichts bewegt, obwohl die Zuwendung zum Beruf da ist, dann stellt sich die Frage, was überhaupt helfen würde.

Die Zahlen dieser Seite ergeben zusammen ein bestimmtes Bild. Die Erschöpfung ist hoch und bewegt sich über drei Erhebungen nicht. Die Zuwendung ist da: 89 % arbeiten gerne an ihrer Schule, die Distanzierung bleibt niedrig. Und was mit dem Wohlbefinden zusammenhängt, sind Bedingungen - Probleme mit Gewalt unter Schüler:innen, eine kooperative Schulkultur, Schulsozialarbeit - und nicht Merkmale der Personen. Alter und Geschlecht erklären den Wechselwunsch nicht.

Wenn etwas jahrelang gleich bleibt, obwohl die Menschen ihren Beruf mögen, dann liegt es an der Menge. Und an der Menge ändert sich nur etwas, wenn etwas wegfällt. Genau hier passt die übliche Antwort nicht: Fortbildung, Programm, Kurs - das alles kommt hinzu. Es ist ein weiterer Termin im Kalender von Menschen, die schon zu viele haben.

Dass wir das Weglassen übersehen, ist untersucht. Gabrielle Adams und Kolleg:innen zeigten 2021 in acht Experimenten, dass Menschen Verbesserungen fast immer durch Hinzufügen suchen, auch wenn Weglassen einfacher und billiger wäre; die Arbeit wurde 2022 repliziert. Ein Befund daraus ist für Schulen besonders unangenehm: Unter hoher geistiger Beanspruchung sinkt die Wahrscheinlichkeit weiter, dass jemand auf eine Lösung durch Weglassen kommt. Wer am meisten zu tun hat, kommt am wenigsten auf die Idee, etwas zu streichen.

Eine Frage zum Selbstbeantworten

Benedikt Wisniewski überträgt diesen Befund in seinem Podcast „Psychologie fürs Klassenzimmer“ auf die Schule und stellt eine Frage, die jede Lehrkraft für sich beantworten kann: Wie oft ist an Ihrer Schule in den letzten Jahren etwas Neues eingeführt worden - und wie oft wurde im Gegenzug etwas abgeschafft? Sein Beispiel dafür ist eine Hotelkette, die erfolgreich wurde, indem sie Telefon, Zimmerservice, Safe, Minibar und Schrank aus den Zimmern nahm und dafür Bett, Möbel und Lage verbesserte.

Und damit zu dem, was ich anbiete. Ein Workshop ist eine Maßnahme, die etwas hinzufügt. Er ändert nichts an der Zahl der Aufgaben, nichts an den Stunden, nichts an dem, was eine Schule an einem Tag von einer Lehrkraft verlangt. Was er kann, ist etwas anderes: der einzelnen Person etwas an die Hand geben. Früher bemerken, wann die Anspannung steigt. Den Feierabend anders anfangen. In einer Pause wirklich Pause machen. Das ist nicht nichts, und Menschen geht es damit besser. Aber es hält jemanden über Wasser. Es senkt nicht den Wasserstand.

Deshalb steht es hier deutlich, auch wenn es gegen mein eigenes Angebot spricht: Wenn eine Schule an dem Punkt ist, an dem es nicht mehr geht, ist ein Kurs zur Stressbewältigung die falsche Maßnahme. Dann muss an der Struktur etwas weg. Und darüber entscheidet niemand im Kollegium - das entscheiden Schulleitung, Schulträger und Ministerium.

Ein Kursangebot ist an dieser Stelle die bequemere Antwort. Es kostet einen Fortbildungstag statt Stellen, es lässt sich schnell beschließen, und es sieht nach Fürsorge aus. Was es tatsächlich tut, ist etwas anderes: Es macht aus einer politischen Frage eine persönliche. Die Bedingungen bleiben, wie sie sind, und die Lehrkraft bekommt die Aufgabe, besser mit ihnen zurechtzukommen. Sie soll aushalten lernen, was sie nicht zu verantworten hat. Wer Erschöpfung mit einem Kurs beantwortet, hat die Ursache nicht bearbeitet, sondern weitergereicht - an die Person, die am wenigsten daran ändern kann.

Sinnvoll ist ein Workshop dort, wo die Bedingungen tragbar sind und Menschen ihre eigenen Grenzen genauer kennenlernen wollen. Nicht dort, wo das System längst darüber hinaus ist.

Der letzte Absatz ist meine Einschätzung, keine Zahl aus dem Bericht. Das Schulbarometer erhebt keine Maßnahmen und prüft keine. Was es zeigt, ist die Lage - und dass sie sich über drei Erhebungen nicht bewegt hat.
Grenzen

Was diese Zahlen nicht zeigen

Eine Datenquelle ist immer auch eine Auswahl. Was das Schulbarometer über Lehrkräfte erhebt, ist ihr Erleben - und sonst nichts. Es gibt keine Angaben zu Arbeitszeit, zu Krankheitstagen, zu körperlichen Beschwerden oder zum Schlaf. Wer wissen will, ob Lehrkräfte tatsächlich mehr arbeiten als früher, findet es hier nicht.

Zweitens: Es gibt in diesen Berichten keinen einzigen Befund zu Achtsamkeit, Meditation, Entspannung oder Präventionsprogrammen. Das Schulbarometer beschreibt die Lage. Ob ein Training hilft, muss aus anderer Literatur belegt werden - was auf der Angebotsseite geschieht.

Und drittens: Die abgefragten Unterstützungsangebote - Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Beratungslehrkräfte - richten sich an Schüler:innen. Ob es für die Lehrkräfte selbst etwas gibt, wurde nicht gefragt. Das ist eine auffällige Lücke in einer Befragung, die die Erschöpfung der Lehrkräfte zum Thema macht.

Quellen

Woher die Zahlen stammen

  • Deutsches Schulbarometer 2026, Befragung Lehrkräfte. Robert Bosch Stiftung, Stuttgart 2026. 1.547 Lehrkräfte, erhoben durch forsa vom 11. November bis 2. Dezember 2025. Daraus stammen, wenn nichts anderes dabeisteht, alle Zahlen dieser Seite. Alle Ausgaben beim Deutschen Schulportal
  • Deutsches Schulbarometer 2025, Befragung Lehrkräfte. 1.540 Lehrkräfte, erhoben vom 11. November bis 2. Dezember 2024. Daraus stammen die vier Wohlbefindensprofile (S. 62-64) und der Fortbildungsbedarf nach Profil (S. 68). Beides wurde im Bericht 2026 nicht fortgeschrieben.
  • Deutsches Schulbarometer 2024, Befragung Lehrkräfte. 1.608 Lehrkräfte, erhoben vom 13. November bis 3. Dezember 2023. Daraus stammt der älteste Wert der Zeitreihe.
  • Für die Einordnung am Schluss. Die Beschreibung von Burn-out stammt aus der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation; sie führt Burn-out ausdrücklich nicht als Krankheit, sondern als Phänomen im beruflichen Zusammenhang. Mitteilung der WHO. Zum Weglassen: Adams, Converse, Hales und Klotz, „People systematically overlook subtractive changes“, Nature 2021, repliziert und erweitert von Fillon und Kolleg:innen 2022 - eine Grundlagenstudie, keine Arbeit aus dem Schulkontext. Die Übertragung auf die Schule und das Hotelbeispiel stammen von Benedikt Wisniewski, Podcast „Psychologie fürs Klassenzimmer“: „Adams et al. (2021) | Lehrkräftegesundheit“, veröffentlicht am 28. Februar 2024. Was zum Achtsamkeitstraining selbst kritisch belegt ist, steht unter Grenzen und Nebenwirkungen.

Alle Werte dieser Seite sind einzeln gegen die Original-PDFs geprüft. Wo ich etwas zusammenrechne, was der Bericht getrennt ausweist, steht es dabei.