Wissen für Schulen

Unterricht und das Wohlbefinden von Kindern

Wie es Kindern in der Schule geht, hängt stark davon ab, was im Unterricht passiert. Diese Seite trägt zusammen, was dazu belegt ist: was schulisches Wohlbefinden überhaupt ist, welche Unterrichtsmerkmale damit zusammenhängen und wie stark. Pädagogische Psychologie ist mein Fachgebiet an der Universität - hier steht sie geordnet an einer Stelle.

Der Begriff

Was schulisches Wohlbefinden ist

Bevor man über Zusammenhänge redet, muss klar sein, wovon die Rede ist. Der Begriff ist enger, als er klingt.

Schulisches Wohlbefinden ist nicht dasselbe wie Lebensqualität und auch nicht dasselbe wie psychische Gesundheit. Gemeint ist, wie ein Kind die Schule und die Menschen darin erlebt. Es liegt nicht schon dann vor, wenn nichts Schlimmes passiert. Es liegt vor, wenn die guten Gefühle gegenüber Schule, Lehrkräften und Mitschüler:innen die unangenehmen Gefühle und Eindrücke überwiegen (Dix u. a., 2020; Hascher, 2003).

Wie es gemessen wird

Im Schulbarometer über die Skala „schulisches Umfeld“ aus dem KIDSCREEN-52, einem europäischen Fragebogen zur Lebensqualität von Kindern. Sechs Fragen zur Schule und zur Beziehung zu den Lehrkräften - unter anderem, ob gut aufgepasst werden konnte und ob man mit den Lehrkräften zufrieden ist. Der Summenwert wird über deutsche Normtabellen in „gering“, „mittel“ und „hoch“ eingeteilt.

Zwei Lesarten sind dabei gleichzeitig richtig. Wohlbefinden ist eine Voraussetzung dafür, dass Lernen gelingt - und es ist ein Bildungsergebnis für sich. Wer es nur als Mittel behandelt, verkürzt es.

Der Kernbefund

Was mit dem Wohlbefinden zusammenhängt

Für die Schüler:innen-Befragung wurde gerechnet, welche unterrichtsbezogenen Merkmale mit dem schulischen Wohlbefinden zusammenhängen - und wie stark im Vergleich zueinander.

Unterrichtsbezogene Einflussfaktoren auf das schulische Wohlbefinden Konstruktive Unterstützung durch Lehrkräfte hängt mit 0,37 am stärksten mit dem schulischen Wohlbefinden zusammen. Langeweile und die von den Eltern eingeschätzte Prüfungsangst liegen bei minus 0,18, Klassenklima bei 0,15, Überforderung bei minus 0,13 und das akademische Selbstkonzept bei 0,11. Zusammen erklärt das Modell 60 Prozent der Unterschiede. Was mit dem Wohlbefinden zusammenhängt 1.507 Schüler:innen von 8 bis 17 Jahren, Mai und Juni 2025 geht mit geringerem einher mit höherem einher -0,200,20,4 konstruktive Unterstützung durch Lehrkräfte Langeweile Prüfungsangst (von den Eltern eingeschätzt) Klassenklima Überforderung akademisches Selbstkonzept 0,37 -0,18 -0,18 0,15 -0,13 0,11 Zusammen erklärt das Modell 60 % der Unterschiede. Querschnittsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Deutsches Schulbarometer 25/26, Befragung Schüler:innen, S. 36, Abb. 7.1. Diese Ausgabe ist ein Kooperationsprojekt der Robert Bosch Stiftung mit der Universität Leipzig.

Der Abstand ist das Bemerkenswerte. Allein die von Kindern wahrgenommene konstruktive Unterstützung erklärt über 40 % der Unterschiede im schulischen Wohlbefinden (S. 37) - alle übrigen Merkmale zusammen tragen noch einmal knapp 20 % bei, zusammengerechnet aus der Tabelle des Berichts. Gemeint ist damit nicht Nettigkeit, sondern das, was eine Lehrkraft im Unterricht tut: erklären, zurückmelden, ermutigen, individuell helfen.

Der zweite Befund steckt in den beiden Vorzeichen. Langeweile und Überforderung stehen beide auf der ungünstigen Seite. Zu wenig und zu viel Anforderung gehen mit geringerem Wohlbefinden einher - es geht also nicht um „mehr Anspruch“, sondern um Passung.

Und ein Befund, der leicht überlesen wird: Kognitive Aktivierung, Klassenführung und Leistungsdruck waren mit erhoben, verlieren im Gesamtmodell aber ihre eigenständige Bedeutung. Der Bericht deutet das so, dass ihre Wirkung über die anderen Merkmale läuft. Das Verfahren wählt die Merkmale schrittweise nach ihrem Erklärungsbeitrag aus - ein Merkmal kann also aus dem Modell fallen und trotzdem wichtig sein.

Die Felder

Woran sich arbeiten lässt

Sechs Bereiche, in denen ich lehre. Sie folgen dem Ablauf im Unterricht: hinschauen, zurückmelden, Aufgaben bauen, zusammenarbeiten lassen, Motivation und Gefühle verstehen.

Erst hinschauen, dann weiterunterrichten

Bevor der Stoff weitergeht, mit einer kleinen Aufgabe nachsehen, was tatsächlich angekommen ist - und den nächsten Schritt danach richten statt nach Plan. Der Fachbegriff ist formatives Assessment. Ob eine Leistungserhebung formativ ist, hängt nicht an der Methode, sondern an der Absicht: Wird das Ergebnis in den Unterricht zurückgeführt oder nur bewertet?

41 % der Schüler:innen sagten im Frühjahr 2024, keine oder nur wenige Lehrkräfte fragen genau nach, was sie verstanden haben und was noch nicht (Deutsches Schulbarometer 2024, Befragung Schüler:innen, S. 43/44).

Der schwierige Teil ist nicht das Erheben, sondern das Anpassen danach - und das kostet Zeit. Das gehört dazugesagt.

Rückmeldung, die ankommt

Eine Rückmeldung kommt eher an, wenn sie drei Fragen beantwortet: Wo will ich hin, wo stehe ich, was ist der nächste Schritt. Und wenn sie über die Aufgabe oder den Lösungsweg spricht statt über die Person. „Gut gemacht“ erfüllt keine dieser Bedingungen.

Geübt wird am eigenen Material: vorhandene Rückmeldungen umschreiben, bis der nächste Schritt darin vorkommt.

Aufgaben, die Denken verlangen

Ob im Unterricht gedacht wird, entscheidet nicht die Methode, sondern die Aufgabe: Lässt sie sich mit Abrufen allein lösen oder nicht? Kognitive Aktivierung zählt zu den Tiefenmerkmalen des Unterrichts - anders als Sozialform oder Medieneinsatz, die man von außen sieht.

Praktisch heißt das: Begründungen einfordern, vergleichen lassen, auf Widersprüche hinweisen. Und die Aufgabe nicht vorsorglich in triviale Teilschritte zerlegen - genau das nimmt ihr das Potenzial.

So viel Herausforderung wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig. Ehrlich dazu: Im Gesamtmodell oben bleibt für dieses Merkmal kein eigener Beitrag übrig, und der Vorbereitungsaufwand steigt.

Gruppenarbeit, die trägt

Gruppenarbeit trägt vor allem dann, wenn die Aufgabe sich nicht in Einzelteile zerlegen lässt und der Beitrag jedes Kindes sichtbar bleibt. Sonst arbeiten dieselben zwei, und der Rest wartet. Fünf Basismerkmale nach Johnson und Johnson machen daraus eine Prüfliste statt einer Haltungsfrage: aufeinander angewiesen sein, einzeln verantwortlich bleiben, sich gegenseitig weiterhelfen, das Zusammenarbeiten selbst können, und am Ende auswerten, was funktioniert hat.

Das Kollegium bringt eine eigene Gruppenarbeit mit und baut sie um.

Motivation als Bedingung, nicht als Charakterzug

Statt zu fragen, ob ein Kind motiviert ist, lohnt die Frage, wofür. Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan nennt drei Grundbedürfnisse: Kompetenz (etwas können), Autonomie (mitentscheiden dürfen) und soziale Eingebundenheit (dazugehören). Das verschiebt die Frage von „Wie kriege ich die dazu?“ zu „Welches der drei Bedürfnisse kommt gerade zu kurz?“.

Passend dazu aus der Schüler:innen-Befragung: 74 % der 8- bis 17-Jährigen wünschen sich mehr Mitbestimmung bei Themen und Inhalten. 3 % sagen, sie könnten dabei viel oder sehr viel mitbestimmen, die Hälfte sagt: gar nicht (Schulbarometer 25/26, S. 43 und S. 48).

Langeweile und Angst verstehen

Beide entstehen aus denselben zwei Einschätzungen - „Kann ich das schaffen?“ und „Ist mir das wichtig?“. Der Kontroll-Wert-Ansatz nach Pekrun macht daraus eine Diagnose statt einer Zuschreibung: Langeweile ist kein Desinteresse, sondern ein Hinweis.

Gearbeitet wird an Fällen aus dem eigenen Unterricht.

Die Lücke

Kinder wissen oft nicht, woran sie sind

Konstruktive Unterstützung ist der stärkste Zusammenhang im Modell. Gefragt, ob sie diese Unterstützung erleben, antwortet ein erheblicher Teil der Schüler:innen: kaum.

Fehlende Rückmeldung aus Sicht der Schüler:innen 37 Prozent aller Schüler:innen sagen, keine oder nur wenige Lehrkräfte sagen ihnen, was sie schon können und was sie noch lernen müssen; bei psychisch auffälligen Kindern 56 Prozent. Bei der Rückmeldung nach einem Fehler 28 gegenüber 48 Prozent, beim Mutmachen 37 gegenüber 58 Prozent. Keine oder nur wenige Lehrkräfte … Antworten von 1.530 Schüler:innen, April und Mai 2024 alle Schüler:innen mit psychischen Auffälligkeiten … sagen mir, was ich schon kann und was ich noch lernen muss 37 % 56 % … sagen mir nach einem Fehler, wie ich es besser machen kann 28 % 48 % … machen mir Mut, wenn ich eine Aufgabe schwierig finde 37 % 58 % Zusammengefasst aus „keine“ und „wenige“, wie im Bericht.
Deutsches Schulbarometer 2024, Befragung Schüler:innen, S. 40, Abb. 6.2; Werte für psychisch auffällige Kinder aus dem Fließtext S. 42 - das sind 179 der 1.530 Befragten, eingestuft über den SDQ, einen etablierten Fragebogen zu Stärken und Schwierigkeiten im Verhalten. Im Original beginnen die Aussagen mit „Unsere Lehrkraft …“ und lauten: „sagt mir, was ich schon kann und was ich noch lernen muss“, „sagt mir, wie ich es besser machen kann, wenn ich einen Fehler gemacht habe“ und „macht mir Mut, wenn ich eine Aufgabe schwierig finde“. Die 28 % stehen im Fließtext des Berichts; die Einzelwerte der Abbildung ergeben 27 %.

Das ist der Punkt, an dem die beiden Befunde zusammenkommen - auch wenn sie aus zwei verschiedenen Erhebungen stammen, dem Modell von 2025 und den Antworten von 2024. Das Merkmal mit dem stärksten Zusammenhang zum Wohlbefinden ist zugleich das, das einem großen Teil der Kinder fehlt. Und es fehlt am deutlichsten denen, die ohnehin belastet sind - bei jedem der drei Punkte liegen sie rund 20 Prozentpunkte schlechter.

Rückmeldung ist damit keine Frage der Freundlichkeit, sondern die Stelle mit dem größten bekannten Zusammenhang. Wie sie aussehen muss, damit sie ankommt, steht oben im Feld „Rückmeldung, die ankommt“.

Ein Modell

Zwei Fragen, drei Gefühle

Wie aus dem Unterricht ein Gefühl wird - das anschaulichste Modell aus meiner Vorlesung.

Der Kontroll-Wert-Ansatz für Lernemotionen Aus zwei Einschätzungen - kann ich das schaffen und ist mir das wichtig - entstehen drei typische Gefühle im Unterricht: Freude und Stolz bei hoher Kontrolle und hohem Wert, Langeweile bei niedrigem Wert, Angst bei niedriger Kontrolle und hohem Wert. Wie aus Unterricht ein Gefühl wird „Kann ich das schaffen?“ Kontrolle „Ist mir das wichtig?“ Wert Freude und Stolz Kontrolle hoch · Wert hoch „Mathe kann ich - und es macht mir Spaß.“ Langeweile Wert niedrig „Das schaff ich locker, aber es ist mir egal.“ Angst Kontrolle niedrig · Wert hoch „Es ist mir wichtig - aber ich packe es nicht.“
Kontroll-Wert-Ansatz nach Pekrun, dargestellt nach Frenzel und Stephens (2017). Drei von mehreren Gefühlen, die das Modell erklärt. Beide Einschätzungen hängen mit dem zusammen, was im Unterricht geschieht.

Der Nutzen liegt in der Umkehrung: Wer Langeweile sieht, weiß nun, wo sich nachschauen lässt. Fehlt der Wert, hilft kein schwierigeres Arbeitsblatt. Fehlt die Kontrolle, hilft kein Appell.

Einordnung

Wie groß ist das eigentlich?

Effektstärken sagen ohne Maßstab nichts. Deshalb steht hier der Maßstab daneben: In echten Schulstudien liegt die Hälfte aller gefundenen Effekte unter 0,10; ab etwa 0,20 gilt ein Effekt auf die Leistung als groß.

Effektstärken kooperativen Lernens im Vergleichsmaßstab Kooperatives Lernen erreicht auf die Lernleistung 0,26, beim Partnerlernen 0,33, auf soziale Kompetenzen 0,52 und auf kooperatives Verhalten 0,65. Zum Vergleich: In echten Schulstudien liegt die Hälfte aller Effekte unter 0,10, ab 0,20 gilt ein Effekt auf die Leistung als groß. Dieser Maßstab gilt nur für die beiden oberen Werte; für soziale und Verhaltensmaße gibt es keinen vergleichbaren Maßstab, die beiden unteren Werte sind deshalb abgetrennt. Kooperatives Lernen im Vergleich Vier Werte aus drei Meta-Analysen, gegen Kontrollbedingungen Lernleistung (Slavin, 1995) 0,26 Lernleistung beim Partnerlernen (Rohrbeck u. a., 2003) 0,33 soziale Kompetenzen (Ginsburg-Block u. a., 2006) 0,52 kooperatives Verhalten (Ginsburg-Block u. a., 2006) 0,65 0 0,2 0,4 0,6 Die zwei gestrichelten Linien gelten nur für die oberen zwei Werte: 0,10 = Median, die Hälfte aller Schulstudien liegt darunter 0,20 = ab hier gilt ein Effekt auf die Leistung als groß
Effektstärken jeweils gegenüber Kontrollbedingungen ohne kooperative Struktur. Vergleichsmaßstab nach Kraft (2020) - er ist an standardisierten Leistungstests geeicht und gilt deshalb nur für die beiden oberen Werte. Für soziale und Verhaltensmaße gibt es keinen vergleichbaren Maßstab. Alle vier Werte schwanken stark je nach Umsetzung.

Ein Hinweis zum Vergleich mit der Hauptseite: Dort stehen Zahlen zum Zusammenhang zwischen Schulmerkmalen und Wohlbefinden, hier Zahlen zur Wirkung einer Unterrichtsform. Das sind zwei verschiedene Kennwerte mit je eigenem Maßstab. Deshalb steht der Maßstab beide Male dabei.

Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens liegen die beiden Leistungswerte nach diesem Maßstab im großen Bereich - gemessen an dem, was Studien in echten Schulen sonst finden, ist das viel. Es bleibt trotzdem ein Mittelwert über sehr verschiedene Umsetzungen, und im Einzelfall kann wenig davon ankommen. Zweitens stammen die beiden unteren Werte aus einer anderen Ergebnisart und lassen sich mit den Leistungswerten nicht der Größe nach vergleichen. Bemerkenswert ist noch etwas: dass es für soziale Kompetenzen und kooperatives Verhalten überhaupt belastbare Werte gibt.

Grenzen

Was hier nicht steht

Klassenführung biete ich nicht an. 25 % der Lehrkräfte nennen sie als Fortbildungsbedarf, und das Schulbarometer empfiehlt sie ausdrücklich. Ich habe dazu aber keine eigene, belastbar aufgearbeitete Grundlage, und ein Fortbildungstag aus zusammengesuchten Ratschlägen wäre genau das, was ich anderen vorwerfe. Falls sich das ändert, steht es hier.

Anspruchsvollere Aufgaben allein reichen nicht. Für sich genommen hängt kognitive Aktivierung deutlich mit dem Wohlbefinden der Schüler:innen zusammen (S. 35). Rechnet man alle Unterrichtsmerkmale gemeinsam, bleibt davon kein eigener Beitrag übrig; der Bericht deutet das so, dass die Wirkung über die anderen Merkmale läuft. Entscheidend ist die Passung zwischen Anforderung und Können: zu leicht und zu schwer gehen beide mit geringerem Wohlbefinden einher.

Ranglisten von Unterrichtsmethoden gibt es hier nicht. Effektstärken aus verschiedenen Studien lassen sich nicht wie Preise vergleichen - sie hängen stark davon ab, wie gemessen und wogegen verglichen wurde. Deshalb steht bei den Zahlen, wogegen gerechnet wurde, und deshalb werden Werte aus verschiedenen Ergebnisarten hier nicht gegeneinander gestellt.

Und der Punkt, auf den es ankommt: Dass diese Ansätze dem Lernen und dem Wohlbefinden der Kinder nutzen, ist untersucht. Dass sie dadurch die Erschöpfung der Lehrkraft senken, ist es nicht. Belegt sind beide Enden der Kette, der Schritt dazwischen ist eine begründete Annahme. Wer hier bucht, soll das wissen.

Und die Lehrkräfte?

Die meistgenannte Herausforderung nimmt zu

Bisher ging es um die Kinder. Für Lehrkräfte hat dasselbe Geschehen eine zweite Seite: Gefragt nach ihren größten beruflichen Herausforderungen nennen sie am häufigsten das Verhalten der Schüler:innen. Offene Abfrage, Mehrfachnennungen möglich.

Größte berufliche Herausforderungen von Lehrkräften über drei Erhebungen Das Verhalten der Schüler:innen steigt von 35 Prozent über 42 Prozent auf 46 Prozent und ist damit Rang eins. Die Arbeitsbelastung steigt von 28 auf 34 Prozent und fällt dann auf 27 Prozent. Die Heterogenität bleibt bei 33, 32 und 34 Prozent nahezu unverändert. Die drei meistgenannten Herausforderungen Erhebungen von Ende 2023, Ende 2024 und Ende 2025 Verhalten der Schüler:innen 202320242025 35 %42 %46 % Arbeitsbelastung und Zeitmangel 202320242025 28 %34 %27 % Heterogenität 202320242025 33 %32 %34 %
Deutsches Schulbarometer 2026, S. 16, Abb. 1.1. Der Bericht stellt die drei Erhebungen selbst nebeneinander und benennt sie nach dem Erscheinungsjahr (2024, 2025, 2026). Hier stehen die Erhebungsjahre, damit die Zeitangaben auf beiden Seiten dieselben sind.

Bei der Arbeitsbelastung ist der Wert wieder dort, wo er 2023 schon lag. Bei einer Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten je Erhebung trägt diese Bewegung keine Deutung. Festhalten lässt sich nur: Die Erschöpfung blieb in allen drei Jahren gleich hoch.

Genauer hingesehen

Was sich hinter den 46 % verbirgt

Eine Zahl allein trägt keine Argumentation. Die Kategorie „Verhalten der Schüler:innen“ fasst sechs verschiedene Arten von Nennungen zusammen - „Arbeitsbelastung und Zeitmangel“ dagegen ist eine einzelne.

Aufschlüsselung der Kategorie Verhalten der Schüler:innen Die 46 Prozent setzen sich zusammen aus problematischem Sozialverhalten 25 Prozent, mangelnder Motivation 13 Prozent, psychischen Problemen 7 Prozent sowie Aggressivität, Konzentrationsproblemen und Mediennutzung mit je 5 Prozent. Arbeitsbelastung und Zeitmangel liegt als einzelne Kategorie bei 27 Prozent. Ein Dach über sechs Nennungen Verhalten der Schüler:innen 46 % setzt sich zusammen aus: problematisches Sozialverhalten mangelnde Motivation, fehlender Lernwille psychische Probleme, Belastungen Aggressivität, Gewalt, Mobbing Konzentrationsprobleme problematische Mediennutzung 25 % 13 % 7 % 5 % 5 % 5 % Arbeitsbelastung und Zeitmangel 27 % eine einzelne Kategorie, kein Dach
Deutsches Schulbarometer 2026, S. 17 (Definition der Kategorie) und S. 18 bis 20, Abb. 1.2. Mehrfachnennungen möglich.

Damit relativiert sich der Rang. Eine breite Kategorie schlägt eine enge fast von selbst. Der größte Einzelposten unter dem Dach sind 25 %, und damit liegt „Arbeitsbelastung und Zeitmangel“ mit 27 % als einzelne Kategorie darüber. Wer sagt, das Verhalten sei die größte Belastung, liest mehr aus der Zahl heraus, als sie hergibt.

Was bleibt, ist trotzdem genug. Unter dem Dach steht mit „mangelnde Motivation, fehlender Lernwille“ (13 %) genau der Posten, für den die Motivationsforschung etwas anzubieten hat. Daneben stehen die psychischen Belastungen. Auch dort spielen Lernemotionen eine Rolle - allerdings nur, soweit es um den Unterricht selbst geht. Erkennen und Beraten gehören zu Schulpsychologie und Schulsozialarbeit, nicht in einen Workshop. Das ist ein kleinerer, dafür präziser Anschluss.

Noch ein Wort zur Vorsicht: In der Ursachenanalyse hängt „Probleme mit Gewalt unter Schüler:innen“ am stärksten mit Erschöpfung zusammen. Das ist ein anderes Merkmal als die 46 % - Aggressivität und Gewalt nennen in der offenen Abfrage nur 5 %. Für das Verhalten insgesamt weist der Bericht keinen Koeffizienten aus. Die beiden Befunde ergänzen sich also, sie belegen einander nicht. Die Grafik dazu steht unter Was damit zusammenhängt - und was nicht.

Forschung in Leipzig

Wer daran gerade arbeitet

Die Schüler:innen-Ausgabe des Schulbarometers, aus der die Zahlen oben stammen, ist ein Kooperationsprojekt der Robert Bosch Stiftung mit der Universität Leipzig. Beteiligt sind Julian Schmitz (wissenschaftliche Projektleitung) und Anna-Lina Rauschenbach aus der Klinischen Kinder- und Jugendpsychologie, Henrik Saalbach und Franziska Greiner-Döchert aus der Pädagogischen Psychologie sowie Eva Baumann von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Dieselbe Gruppe betreibt den BiPsy-Monitor, ein von der Robert Bosch Stiftung gefördertes Projekt mit Laufzeit 2023 bis 2026. Es untersucht genau die Frage dieser Seite: wie schulisches Wohlbefinden mit Merkmalen des Unterrichts zusammenhängt.

Zum Weiterlesen für Fachleute

Julian Schmitz, Eva Baumann, Henrik Saalbach & Franziska Greiner-Döchert (Hrsg.): Wohlbefinden und psychische Gesundheit in Schule und Unterricht. Springer, 2026. ISBN 978-3-662-73218-2, DOI 10.1007/978-3-662-73219-9. Die Themen reichen vom Wohlbefinden der Schüler:innen über Beziehungsgestaltung, Unterrichtsqualität und Lehrkräftegesundheit bis zu multiprofessioneller Zusammenarbeit und schulischen Präventionsprogrammen.

Ankündigung der Universität Leipzig · Projektseite BiPsy-Monitor

Henrik Saalbach und Franziska Greiner-Döchert sprechen darüber in einem Interview der Universität Leipzig. Es trägt die Überschrift „Schule als Gestaltungsraum: ‚Die effektivste Stellschraube ist der Unterricht‘“. Genau darum geht es auf dieser Seite.

Formate

Wie das abläuft

Die Zuschnitte sind dieselben wie beim ersten Thema: Pädagogischer Tag, Kollegiums-Workshop oder Vortrag. Ein Feld pro Workshop, nicht sechs. Gearbeitet wird am mitgebrachten Material - an einer Gruppenarbeit, an Rückmeldungen unter Klassenarbeiten, an einer Aufgabe, die nicht funktioniert hat.

Gut kombinierbar

Ein Pädagogischer Tag lässt sich aus beiden Strängen bauen: vormittags der eigene Umgang mit Anspannung, nachmittags das Geschehen im Unterricht. Das ist die Fassung, die ich meistens empfehle, weil sie beide Ebenen sichtbar macht, statt eine gegen die andere auszuspielen.

Zur Übersicht und zu den Zahlen: Stressprävention für Lehrkräfte

Kontakt

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Quellen

Woher das stammt

  • Deutsches Schulbarometer 2026, Befragung Lehrkräfte. Robert Bosch Stiftung, Stuttgart 2026. 1.547 Lehrkräfte, erhoben durch forsa vom 11. November bis 2. Dezember 2025. Alle Ausgaben beim Deutschen Schulportal
  • Deutsches Schulbarometer 25/26, Befragung Schüler:innen. Robert Bosch Stiftung. 1.507 Schüler:innen von 8 bis 17 Jahren, erhoben vom 9. Mai bis 3. Juni 2025. Auf dem Titel trägt die Ausgabe die Bezeichnung „25/26“; der Zitiervorschlag des Berichts nennt die Befragung 2025 und die Veröffentlichung 2026. Auf dieser Seite steht deshalb überall das Erhebungsjahr dabei. Mitbestimmung: S. 43, Abb. 9.1 und S. 48, Abb. 10.1. Unterrichtsmerkmale und Wohlbefinden: S. 35 und S. 36, Abb. 7.1. Begriff und Messung des schulischen Wohlbefindens: S. 25.
  • Begriff des schulischen Wohlbefindens: Dix, K. u. a. (2020): Student Health and Wellbeing. Systematic review of intervention research examining effective student wellbeing in schools and their academic outcomes. Evidence for Learning; Hascher, T. (2003): Well-being in school - Why students need social support. In: Mayring, P. & von Rhoeneck, C. (Hrsg.): Learning Emotions, S. 127-142. Lang. Beide zitiert nach dem Schulbarometer 25/26, S. 25; die Originalarbeiten liegen mir nicht vor.
  • Messinstrument für das schulische Wohlbefinden: The KIDSCREEN Group Europe (2006): The KIDSCREEN Questionnaires. Quality of life questionnaires for children and adolescents. Pabst Science Publishers. Verwendet wird daraus die Skala „schulisches Umfeld“.
  • Kraft, M. A. (2020): Interpreting Effect Sizes of Education Interventions. Educational Researcher, 49(4), 241-253. Liefert den Vergleichsmaßstab für alle Effektstärken auf dieser Seite. doi.org/10.3102/0013189X20912798
  • Meta-Analysen zum kooperativen Lernen: Slavin (1995); Rohrbeck u. a. (2003); Ginsburg-Block u. a. (2006). Referiert nach Hasselhorn & Gold (2022): Pädagogische Psychologie, Kapitel zum kooperativen Lernen.
  • Fünf Basismerkmale kooperativen Lernens nach Johnson & Johnson (1999), ebenfalls nach Hasselhorn & Gold (2022).
  • Selbstbestimmungstheorie: Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223-238.
  • Bürgermeister, A. & Saalbach, H. (2018): Formatives Assessment - ein Ansatz zur Förderung individueller Lernprozesse. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 65, 194-205. Theoretischer Beitrag; Definition, Abgrenzung und Grenzen stammen von dort.
  • Kognitive Aktivierung als Tiefenmerkmal: Kunter & Trautwein (2013); Kleickmann (2012), Handreichung „Kognitiv aktivieren und inhaltlich strukturieren“.
  • Rückmelde-Lücke: Deutsches Schulbarometer 2024, Befragung Schüler:innen (1.530 Befragte, 26. April bis 20. Mai 2024), S. 40, Abb. 6.2, Werte für psychisch auffällige Kinder aus dem Fließtext S. 42. Die 41 % zum Nachfragen stammen aus derselben Befragung, S. 43/44, Abb. 6.3.
  • Kontroll-Wert-Ansatz nach Pekrun, dargestellt nach Frenzel, A. C. & Stephens, E. J. (2017): Emotionen. In: Götz, T. (Hrsg.): Emotion, Motivation und selbstreguliertes Lernen, 2. Auflage, S. 15-77.
  • Feedbackmodell (drei Fragen, Ebenen der Rückmeldung) nach Hattie & Timperley (2007), wie es in der Vorlesung gelehrt wird. Verwendet wird hier ausschließlich das Modell, keine Effektstärken daraus.