Warum es zählt, jemanden zu haben
Kaum ein Lebensumstand ist so oft mit Gesundheit in Verbindung gebracht worden wie die eigenen Beziehungen. Die Zahlen dahinter sind groß, der meistzitierte Vergleich ist schiefer als sein Ruf, und der interessanteste Befund ist ein anderer.
Soziale Beziehungen hängen mit Gesundheit und Lebensdauer so eng zusammen wie wenige andere Lebensumstände. Am engsten hängt damit nicht die Hilfe zusammen, die tatsächlich ankommt, sondern die Gewissheit, dass jemand da wäre.
Die Zahl, die alle kennen
Eine Übersichtsarbeit über 148 Studien mit zusammen 308.849 Menschen hat gefragt, wie sich soziale Beziehungen und Sterblichkeit zueinander verhalten. Über eine Nachbeobachtung von im Schnitt siebeneinhalb Jahren war die Chance, den Zeitraum zu überleben, bei Menschen mit starken sozialen Beziehungen um 50 Prozent höher als bei Menschen mit schwachen. Der Zusammenhang blieb quer über Alter, Geschlecht, Ausgangsgesundheit und Todesursache bestehen.
Wichtiger als die eine Zahl ist, wie stark sie schwankt, je nachdem was gemessen wurde. Im selben Datensatz reicht die Spanne von einem Plus von 91 Prozent, wenn mehrere Merkmale der sozialen Einbindung zusammen erhoben wurden, bis zu einem Plus von 19 Prozent bei der einfachen Ja-Nein-Frage nach dem Alleinleben - und dieser letzte Wert war statistisch nicht abgesichert. Die einzelne Ja-Nein-Frage misst schlicht schlechter. Wer allein lebt, kann ein dichtes Netz haben.
Eine zweite Übersichtsarbeit über 70 Studien mit zusammen 3,4 Millionen Menschen hat sich gezielt Einsamkeit und Isolation angesehen. Sie zeigt vor allem eins: wie sehr solche Zahlen davon abhängen, was herausgerechnet wird. Ohne jede Bereinigung liegt das Sterberisiko um 53 Prozent höher. Rechnet man Alter, Geschlecht, Ausgangsgesundheit und weitere Faktoren heraus, bleiben 30 Prozent - für soziale Isolation 29, für Einsamkeit 26, fürs Alleinleben 32. Alle drei Werte sind statistisch abgesichert und alle drei deutlich kleiner als die unbereinigten. Der Unterschied ist keine Rechenspielerei: Wer allein lebt, ist im Schnitt auch älter und hat mehr Vorerkrankungen. Ein Teil des Risikos gehört dorthin und nicht zum Alleinsein.
Was der Vergleich mit dem Rauchen wirklich sagt
Der Satz, der von diesen Arbeiten hängengeblieben ist, lautet ungefähr: Einsamkeit sei so schädlich wie fünfzehn Zigaretten am Tag. In der Meta-Analyse von 2010 steht dieser Satz nicht. Dort steht, die Größe des Effekts sei vergleichbar damit, mit dem Rauchen aufzuhören, und übertreffe viele bekannte Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Die Autorinnen und Autoren haben ihren eigenen Wert neben Werte gestellt, die aus anderen Meta-Analysen stammen - andere Menschen, andere Krankheiten, andere herausgerechnete Faktoren. Ein solcher Vergleich ordnet eine Größenordnung ein. Er misst nicht dasselbe an denselben Leuten. Julianne Holt-Lunstad selbst hat später klargestellt, dass sich die Zahl auf soziale Verbundenheit insgesamt bezieht, nicht auf Einsamkeit allein, und dass „fünfzehn Zigaretten“ für moderates Rauchen steht.
Die Arbeit selbst formuliert den Vorbehalt am deutlichsten: Der Zusammenhang zwischen Beziehungen und Sterblichkeit sei bis heute weit schlechter verstanden als andere Risikofaktoren.
Zwei Wege, wie Beziehungen wirken
Seit 1985 gibt es dafür eine Ordnung, die bis heute trägt. Sheldon Cohen und Thomas Ashby Wills haben die damalige Studienlage danach sortiert, ob Unterstützung immer guttut oder nur unter Belastung.
Eingebundensein tut gut, egal wie belastet jemand gerade ist. Wer zu einem Verein, einer Familie, einer Nachbarschaft gehört, hat Struktur, Anlässe, Rückmeldung. Das wirkt im ruhigen Alltag genauso wie in der Krise.
Unterstützung wirkt erst dann, wenn Belastung da ist - sie fängt sie ab. Wer weiß, dass jemand einspringt, stuft dieselbe Anforderung seltener als Bedrohung ein.
Der Befund der beiden Autoren ist, dass beides stimmt, aber an unterschiedlichen Messungen hängt. Puffereffekte fanden sie dort, wo erfasst wurde, ob jemand Unterstützung für verfügbar hält, die zur jeweiligen Belastung passt. Haupteffekte fanden sie dort, wo erfasst wurde, wie sehr jemand in ein großes Netzwerk eingebunden ist. Zwei verschiedene Fragen, zwei verschiedene Wirkwege.
Die Puffer-Seite läuft über dieselbe Stelle, die auch im transaktionalen Stressmodell entscheidet: über die Bewertung. Deshalb steht soziale Unterstützung auch in der Resilienzforschung unter den Schutzfaktoren, die über den Bewertungsstil wirken.
Nicht die Hilfe, sondern die Gewissheit
Fragt man Menschen, ob sie in den letzten Wochen konkrete Hilfe bekommen haben, misst man etwas anderes, als wenn man fragt, ob im Ernstfall jemand da wäre. Beide Fragen heißen „soziale Unterstützung“. Sie hängen nur mittelmäßig zusammen: Eine Übersichtsarbeit über 23 Studien findet zwischen erhaltener und wahrgenommener Unterstützung eine Korrelation von 0,35 - genug für einen Zusammenhang, viel zu wenig, um dasselbe zu sein. Zum Vergleich: Körpergröße und Körpergewicht hängen bei Erwachsenen mit 0,44 zusammen. Und selbst die sind zwei verschiedene Dinge.
Und mit Gesundheit hängt die wahrgenommene enger zusammen. In der Sterblichkeits-Meta-Analyse von 2010 lassen sich beide direkt nebeneinander stellen, weil sie aus derselben Auswertung stammen. Wer Unterstützung als verfügbar erlebte, hatte eine um 35 Prozent höhere Überlebenschance; der Wert ist abgesichert und stützt sich auf 73 Studien. Wer viel Unterstützung tatsächlich erhalten hatte, kam auf 22 Prozent - und dieser Wert war nicht abgesichert und stützt sich auf 9 Studien. Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass erhaltene Unterstützung Sterblichkeit schlechter vorhersagt als soziale Eingebundenheit.
Warum die tatsächliche Hilfe schlechter dasteht, dafür gibt es einen belegten Kandidaten. In einer Tagebuchstudie führten 68 Paare 31 Tage lang vor der New Yorker Anwaltsprüfung getrennt Buch: Der Partner notierte, ob er unterstützt hatte, die prüfende Person, ob sie Unterstützung bemerkt hatte. Beides stimmte oft nicht überein. Am günstigsten liefen die Tage, an denen der Partner Unterstützung angab und die prüfende Person keine bemerkt hatte. Bemerkte Unterstützung ging in der heißen Phase mit mehr Anspannung am Folgetag einher.
Die Autoren nennen das unsichtbare Unterstützung. Ihre Erklärung: Hilfe, die auffällt, hat einen Preis. Sie erinnert daran, dass man es allein nicht schafft.
Eine zweite Erklärung setzt woanders an. Sie besagt, dass Beziehungen nicht in erster Linie über Krisengespräche wirken, sondern über gewöhnliche Gespräche und gemeinsame Tätigkeiten, die Stimmung und Denken ganz nebenbei regulieren. Das erklärt, warum der Haupteffekt so stabil ist - auch dann, wenn gerade niemand hilft. Diese Erklärung ist ein Modell, das Befunde ordnet, keine gemessene Ursache.
Was gemessen wurde, verändert die Zahl
Die Grafik lässt sich seitlich bewegen.
Wenn Unterstützung nicht hilft
Der Zusammenhang ist kein Automatismus. Drei Stellen, an denen er kippt oder sich umdreht:
Ungefragte Hilfe
In einem Experiment mit 48 Beschäftigten wurde Unterstützung aufgedrängt, ohne dass sie erbeten war. Sie löste überwiegend ungünstige Reaktionen aus - beim Selbstbild, in der Zusammenarbeit und körperlich. Nur wenn die Aufgabe objektiv unlösbar war, der Bedarf also tatsächlich bestand, fiel die Wirkung neutral aus. Besser wurde es nie.
Geben statt Nehmen
Eine Untersuchung an 423 älteren Ehepaaren im Großraum Detroit verfolgte 846 Menschen über fünf Jahre; 134 von ihnen starben in dieser Zeit. Wer im Jahr vor der Befragung Freunden, Verwandten oder Nachbarn praktisch geholfen hatte - Fahrten, Einkäufe, Hausarbeit, Kinderbetreuung -, hatte ein um rund 40 Prozent geringeres Sterberisiko als wer das nicht getan hatte. Wer dem eigenen Partner emotional zur Seite stand, ebenfalls. Beides zählte unabhängig voneinander.
Herausgerechnet war dabei viel: Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung, Rauchen, Trinken, Bewegung, die selbst eingeschätzte Gesundheit, die Einschätzung des Interviewers, körperliche Einschränkungen im Alltag, Depressivität, Ängstlichkeit, Wohlbefinden, wie oft jemand überhaupt Kontakt hatte, dazu elf Maße zu Persönlichkeit, Selbstwert, Kontrollüberzeugung und Stressanfälligkeit. Zur Größe: Im selben Modell hing ein Lebensjahr mehr mit einem um 10 Prozent höheren Sterberisiko zusammen. Der Abstand zwischen Gebenden und Nicht-Gebenden entspricht darin rechnerisch also etwa fünf Lebensjahren.
Die erhaltene Unterstützung sagte nichts mehr vorher, sobald das Geben mit im Modell stand; ihr Schätzwert zeigte sogar in die andere Richtung. Gemessen war dort allerdings, ob im Notfall jemand einspringen würde - nicht die Hilfe, die tatsächlich kam.
Das ist ein einzelner Befund an einer besonderen Gruppe: verheiratet, älter, eine Region, ein Erhebungsjahrgang. Die Autoren schreiben selbst, es wäre verfrüht, daraus einen allgemeinen Satz zu machen, und nennen die naheliegende Gegenerklärung gleich mit: Wer noch geben kann, ist womöglich einfach robuster. Herausgerechnet ist das, ausgeschlossen nicht.
Die Kosten fürs Unterstützen
Hier ist die Lage ausdrücklich uneinheitlich. Eine Übersichtsarbeit über 23 Studien fand bei pflegenden Angehörigen ein leicht erhöhtes Gesundheitsrisiko gegenüber vergleichbaren Nicht-Pflegenden, am ehesten bei Stresshormonen und selbst eingeschätzter Gesundheit. Eine spätere Übersichtsarbeit über bevölkerungsweite Studien hält dagegen: Dort lebten Pflegende insgesamt eher länger als Nicht-Pflegende, und die meisten berichteten auch Gewinn aus der Aufgabe. Wer stark belastet ist, ist es wirklich. Aber „Pflegen macht krank“ ist als pauschaler Satz nicht gedeckt.
Unterstützung ist in diesem Sinn eine Ressource: Sie federt Belastung ab und macht den nächsten Schritt leichter. Wie sich Anforderungen und Erschöpfung über die Zeit gegenseitig hochschaukeln, steht in Wenn Arbeit auslaugt.
Was zur Gruppe belegt ist
Ein MBSR-Kurs findet in der Gruppe statt, acht Wochen lang, mit denselben Leuten. Die naheliegende Behauptung wäre, dass die Gruppe ein Teil der Wirkung ist. Sie ist schwerer zu belegen, als sie klingt.
Was untersucht ist
In einer Auswertung von 606 Teilnehmenden in 59 MBSR-Kursen ging es darum, wie viel von der Veränderung auf die jeweilige Gruppe zurückgeht. Nach Kontrolle des Ausgangsniveaus entfielen 7 Prozent der Unterschiede bei den psychischen Beschwerden auf die Gruppe - und 0 Prozent bei den körperlichen. Das heißt im Umkehrschluss: 93 Prozent der Unterschiede lagen zwischen einzelnen Personen, nicht zwischen Kursen. Und „Gruppe“ ist dabei ein Sammelposten. Kursleitung, Zusammensetzung und Zufall stecken darin und lassen sich nicht trennen.
In einer zweiten Untersuchung durchliefen 104 Menschen mit leichter bis schwerer Depression einen achtwöchigen Achtsamkeitskurs. Wie sie Kursleitung und Gruppe bewerteten, sagte Veränderungen bei Depression, Stress und Achtsamkeit besser vorher als die Zahl der geübten Minuten. Auch das ist eine Beobachtung innerhalb eines Kurses, keine randomisierte Zuteilung: Wem es besser geht, der bewertet die Gruppe vermutlich auch günstiger. Die Richtung ist offen.
Eine dritte Untersuchung trennt zwei Dinge, die leicht zusammenfallen. 84 Menschen, die einen achtwöchigen Achtsamkeitskurs in der Gruppe abgeschlossen hatten, bewerteten getrennt ihr Verhältnis zur Kursleitung und den Zusammenhalt in der Gruppe. Nur das Verhältnis zur Kursleitung sagte den Rückgang der Belastung vorher; der Gruppenzusammenhalt verfehlte die statistische Absicherung knapp. Auch das ist beobachtet, nicht zugeteilt. Es zeigt aber zweierlei: „Gruppe“ und „Kursleitung“ sind nicht dasselbe, und die Befunde dazu zeigen nicht alle in dieselbe Richtung.
Was der Vergleich zeigt, den es gibt
Die Frage lässt sich prüfen: Man gibt dasselbe Programm einmal mit Gruppe und einmal ohne. Genau das ist gemacht worden, und zwar groß. 811 Menschen mit chronischen Schmerzen bekamen zugelost: entweder ein achtwöchiges Achtsamkeitsprogramm mit wöchentlicher Gruppensitzung per Videokonferenz, oder dasselbe Programm allein im eigenen Tempo mit denselben Aufnahmen, oder die übliche Behandlung. Ob die Gruppe etwas beiträgt, war die vorab festgelegte Hauptfrage.
Beide Achtsamkeitsfassungen schnitten besser ab als die übliche Behandlung. Zwischen ihnen fand sich kein Vorteil für die Gruppe - der Unterschied ging sogar leicht in die andere Richtung und war zu klein, um als gesichert zu gelten. Auf der Skala von 0 bis 10, die misst, wie sehr Schmerz den Alltag behindert, lagen die beiden Fassungen 0,4 und 0,7 Punkte unter der üblichen Behandlung. Der Abstand zwischen den Fassungen betrug 0,3 Punkte - weniger, als jede von ihnen gegenüber der üblichen Behandlung erreichte.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Das Programm war kein MBSR-Kurs, sondern eine gekürzte Fassung per Video; die Autoren schreiben ausdrücklich, dass ihre Studie nichts darüber sagt, wie sich solche Programme gegen einen vollen MBSR-Kurs schlagen. Die Einzelfassung war kein Einzelunterricht, sondern ein Selbstlernprogramm mit drei Telefonaten. Und geprüft wurde, ob die Gruppe besser ist, nicht ob beide gleich gut sind. „Kein Vorteil gefunden“ ist etwas anderes als „gleich gut“.
Für MBSR selbst steht dieser Vergleich aus. Wie groß der Beitrag der Gruppe ist, bleibt damit offen - aber die naheliegende Vermutung, er sei groß, wird von der besten verfügbaren Prüfung nicht gestützt.
Achtsamkeit und Einsamkeit
Zwei Studien gehören dazu, beide mit Einschränkung. In einer kleinen Studie mit 40 älteren Erwachsenen ging Einsamkeit nach einem MBSR-Kurs zurück, während sie in der Wartegruppe leicht zunahm - klein, und gegen eine Warteliste, den schwächsten aller Vergleiche. Sauberer ist eine Studie mit 153 Erwachsenen, in der ein vierzehnteiliges Programm in drei Varianten verglichen wurde. Nur die Variante, die Beobachten und Akzeptieren übte, senkte die Einsamkeit im Alltag um 22 Prozent und erhöhte die Zahl der Alltagskontakte um zwei Begegnungen pro Tag. Der Vergleichsmaßstab ist hier streng: nicht gegen Nichtstun, sondern gegen zwei aktive Vergleichsgruppen, darunter dieselbe Übung ohne den Akzeptanz-Anteil. Nur war dieses Programm eine Smartphone-Anwendung, kein MBSR-Kurs. Übertragen lässt sich der Wirkweg, nicht der Kurs.
Zur Einordnung, wie schwer das Feld ist: Über 20 randomisierte Studien zu Programmen gegen Einsamkeit liegt der mittlere Effekt bei einem knappen Fünftel einer Standardabweichung. In Menschen gerechnet: Man greift zufällig je eine Person aus beiden Gruppen heraus. Der aus der Programmgruppe geht es dann in ungefähr 55 von 100 Fällen besser. Ohne jeden Unterschied wären es 50. Schwächere Studiendesigns kamen in derselben Arbeit auf fast das Doppelte und auf mehr als das Doppelte. Je lockerer der Vergleich, desto größer der scheinbare Erfolg. Womit sich solche Größen sonst noch vergleichen lassen, steht in Wie groß ist ein „mittlerer Effekt“?.
Was daraus praktisch folgt
Wenn die Gewissheit mehr zählt als die Hilfe, dann lohnt sich der Blick auf die eigenen Beziehungen bevor etwas passiert, nicht erst danach. Und wenn auffallende Hilfe einen Preis hat, dann liegt in der Frage „Was brauchst du?“ mehr als im ungefragten Zugreifen. Achtsamkeit setzt an derselben Stelle an wie überall: früh bemerken - dass man sich zurückzieht, dass man nicht fragt, dass man Hilfe nicht annimmt.
Wenn Einsamkeit bleibt
Einsamkeit ist verbreiteter als das Gespräch darüber. Nach dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums, das die Daten des Sozio-oekonomischen Panels auswertet, fühlten sich 2021 rund 11 Prozent der Erwachsenen in Deutschland häufiger als „manchmal“ einsam; im ersten Pandemiejahr 2020 waren es 28 Prozent, 2017 knapp 8. Wer länger damit lebt, sollte damit nicht allein bleiben - die Hausarztpraxis und Beratungsstellen sind dafür da.
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Wie gut belegt ist das?
Der Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und Gesundheit gehört zu den am breitesten untersuchten der Gesundheitspsychologie. Die eine Übersichtsarbeit stützt sich auf 148 Studien mit gut 300.000 Menschen, die andere auf 70 Studien mit über drei Millionen, und der Zusammenhang bleibt quer über Alter, Geschlecht, Ausgangsgesundheit, Todesursache und Weltregion bestehen. In dieser Hinsicht ist die Sache robust.
Alles davon ist beobachtet, nichts zugeteilt. Man kann Menschen nicht per Los in Einsamkeit oder in ein dichtes Netz schicken. Damit bleibt die naheliegendste Gegenerklärung offen: Wer gesünder ist, hat leichter Kontakte, geht öfter aus dem Haus und pflegt Freundschaften. Die Arbeiten halten dagegen, dass die meisten Untersuchten zu Beginn nicht schwer krank waren und dass der Ausgangszustand den Zusammenhang nicht erklärt. Ausgeräumt ist der Einwand damit nicht.
Die Größe hängt stark davon ab, was gemessen und was herausgerechnet wird. In der Arbeit von 2010 schwankt der Wert je nach Messung zwischen einem Plus von 19 und einem Plus von 91 Prozent. In der Arbeit von 2015 liegt er bei 53 Prozent, solange nichts weiter herausgerechnet wird, und bei 30 Prozent, wenn mehrere Störfaktoren herausgerechnet sind. Wer eine einzelne Zahl zitiert, zitiert eine Auswahl.
Auch zeigen nicht alle Befunde in dieselbe Richtung. In der Studie an den Detroiter Ehepaaren hing die erlebte Verfügbarkeit von Hilfe sogar mit einem etwas höheren Sterberisiko zusammen - das Gegenteil dessen, was die Meta-Analyse über 73 Studien findet. Ein einzelnes Item in einer Kohorte kippt 73 Studien nicht. Es zeigt aber, wie unterschiedlich Einzelbefunde ausfallen, sobald man genau hinsieht.
Der bekannte Vergleich mit dem Rauchen ist kein Messergebnis. Er stellt den eigenen Wert neben Werte aus anderen Meta-Analysen mit anderen Menschen. Die Formulierung „so schädlich wie fünfzehn Zigaretten am Tag“ stammt nicht aus der Arbeit. Die Autorinnen und Autoren selbst schreiben, der Zusammenhang sei bis heute weit schlechter verstanden als andere Risikofaktoren.
Haupteffekt und Puffer sind ein Ordnungsmodell von 1985, keine gemessene Ursache. Es ordnet, welche Art von Messung zu welchem Muster passt. Warum das so ist, ist damit nicht geklärt. Andere Rahmenmodelle setzen Unterstützung ebenso selbstverständlich voraus: Handhabbarkeit im Kohärenzgefühl heißt wörtlich, Mittel und Unterstützung zu haben.
Zur Gruppe im MBSR-Kurs ist wenig belegt - und was belegt ist, spricht nicht für einen großen Beitrag. Zwischen einzelnen Kursen gibt es Unterschiede, und wer das Verhältnis zur Kursleitung günstig erlebt, kommt im Schnitt besser durch. Beim Gruppenzusammenhalt selbst ist der Befund uneinheitlich. Alles davon ist beobachtet, nicht zugeteilt. Der größte randomisierte Test der Frage betraf ein verwandtes, gekürztes Programm: Dort brachte die wöchentliche Gruppensitzung gegenüber demselben Programm ohne Gruppe keinen messbaren Vorteil. Das beweist keine Gleichwertigkeit, denn geprüft wurde auf Überlegenheit, und für MBSR selbst steht der Vergleich aus. Aber es reicht, um eine Behauptung zu verhindern. Wer den Präsenzkurs der Gruppe wegen wählt, hat gute Gründe dafür. Ein bezifferter Wirkfaktor ist sie nicht.
Warum aus einem Zusammenhang keine Ursache folgt, steht in Korrelation ist nicht Kausalität.
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