Selbst ausprobieren

Achtsamkeit üben

Achtsamkeit versteht man am besten, indem man sie ausprobiert. Ein paar Sachen zum direkt Mitmachen: eine geführte Atemübung, zwei Atempausen zum Mithören und ein paar Übungen für zwischendurch.

Warum üben?

Was deine Aufmerksamkeit den ganzen Tag macht

Ein Buch, ein Spiel mit dem Kind, die Meditation: Du willst bei einer Sache sein – und bist plötzlich woanders, ohne es zu merken. Dabei ist nicht das Auftauchen das Problem: Manches ist nützlich, manches kann warten. Entscheidend ist der Moment des Bemerkens – erst er macht die Wahl möglich. Zwei Übungsformen gehören dazu: den Fokus halten und zurückkommen – oder ohne festen Fokus da sein und kommen und gehen lassen. Klick dich durch: automatisch, Schritt für Schritt oder als Standbild.

Übungsform

Ein Buch – du liest, Zeile für Zeile.

Beispiele:
Ebene 1 · Was auftaucht Ebene 2 · Gedanken über Gedanken Fokus · das Buch Zeit G G G 1 2 3 4 5

Was auftauchen kann

G Gedanken & Geräusche K Körperempfindungen E Emotionen

Auch Impulse gehören dazu („Ich will nur kurz aufs Handy“). Klick dich durch die Beispiele – jedes endet anders.

Ohne festen Fokus ist nichts eine Ablenkung – was auftaucht, ist dran. Benennen hilft, sitzen zu bleiben: „Denken.“ „Hören.“ „Spüren.“

Bemerken schafft Wahl. Erst wenn du merkst „Ich war weg“, kannst du entscheiden: Ist das gerade wichtig – oder kann es warten? Der Einfall beim Lesen kann nützlich sein – kurz gemerkt, dann zurück zur Zeile. Die Arbeitsgedanken beim Spielen dürfen warten – unbeachtet verblassen sie von selbst.

Was auftaucht, ist also nicht das Problem – auch das Angenehme nicht. Stress entsteht, wenn wir weggetragen werden, ohne es zu merken, und hängen bleiben: beim Gestern, beim Später, beim Was-wäre-wenn. Meditation ist der Übungsraum der fokussierten Aufmerksamkeit: Bemerken und Zurückkommen werden trainiert – bis beides im Alltag von selbst geschieht. Der Fokus kann dabei alles sein: der Atem, die Schritte beim Gehen – oder beim Body-Scan eine Körperregion nach der anderen.

Auf der Tribüne. So übt sich offenes Gewahrsein: Wenn der Geist denken will, darf er denken – du schaust ihm zu, wie von der Tribüne auf eine Bühne. Drei Dinge übst du dabei in jedem Moment: bemerken, dass ein Stück läuft – wissen, dass du nicht das Stück bist – und nicht mitspielen müssen.

Gleichmut heißt nicht Gleichgültigkeit. Die schöne Wolke, die dunkle und die unscheinbare bekommen denselben ruhigen Blick – du weichst nicht aus und hältst nicht fest, und genau dadurch ziehen sie weiter. Zieht dich eine doch auf die Bühne: bemerken, hinsetzen, weiterschauen. Auftauchen darf übrigens in beiden Übungsformen alles – es kommt ohnehin von allein. Der Unterschied ist nur, was die Aufmerksamkeit dann tut: zurückkehren oder dabeibleiben. Das Halten gibt dem offenen Schauen den Stand.

Warum wir überhaupt so oft weg sind – im Mittel fast die Hälfte der wachen Zeit – zeigt die Harvard-Studie zum wandernden Geist.

Geführt

Eine Minute atmen

Folge dem Kreis mit dem Atem: Beim Einatmen wird er größer, beim Ausatmen kleiner. Der längere Ausatem beruhigt.

Bereit?

Rhythmus: 4 Sekunden ein · kurz halten · 6 Sekunden aus. Eine Klangschale eröffnet und beendet die Übung.

Zum Mithören

Kurze Atempausen

Zwei Pausen zum Mitmachen – eine kurze für zwischendurch, eine längere für eine bewusste Auszeit. Am besten mit Kopfhörern: Augen zu und mitatmen.

Zum Ausprobieren

Impuls & stille Minute

Ein kurzer Impuls für den Moment und eine stille Minute mit sanftem Klang – direkt zum Mitmachen.

Impuls für jetzt

Spüre für drei Atemzüge, wie die Luft ein- und ausströmt – ohne etwas zu verändern.

Achtsame Minute
01:00

Ein sanfter Klang zu Beginn und am Ende.

Für den Alltag

Drei kleine Übungen

Der Atemraum (3 Minuten)

  1. Wahrnehmen: Was ist gerade da – Gedanken, Gefühle, Körper?
  2. Sammeln: Die Aufmerksamkeit sanft zum Atem bringen.
  3. Weiten: Den Atem und den ganzen Körper spüren, dann weitermachen.

Kurzer Body-Scan

Wander mit der Aufmerksamkeit langsam durch den Körper – von den Füßen bis zum Kopf. Nichts verändern, nur bemerken, was da ist: Wärme, Druck, Kribbeln oder auch nichts.

Eine Sache bewusst

Nimm dir eine Alltagstätigkeit – Zähneputzen, Tee trinken, Treppensteigen – und tu sie einmal ganz bewusst, mit allen Sinnen.

Auch unterwegs

Gehen als Übung

Achtsamkeit braucht kein Kissen. Auch beim Gehen lässt sich die Aufmerksamkeit immer wieder zum Körper zurückholen – zu den Füßen, zum Boden, zum Rhythmus der Schritte.

Eine Person geht barfuß und achtsam über eine Wiese am Meer
Nahaufnahme barfüßiger Schritte im Gras – ein Fuß löst sich gerade vom Boden

Geh, als würdest du die Erde mit deinen Füßen küssen.

Thich Nhat Hanh · »Peace Is Every Step« (1991)
Zum Mitnehmen

Arbeitsblatt: Eine achtsame Woche

Ein Übungsblatt für sieben Tage – jeden Tag eine gewöhnliche Sache genauer ansehen. Am Bildschirm öffnen oder ausdrucken; der Umschalter für tintensparenden Graustufen-Druck sitzt direkt auf dem Blatt.

Zum Schluss

Kostproben, kein Kurs

Gut zu wissen

Diese Übungen geben einen Eindruck, ersetzen aber keinen Kurs. Die Wirkung von MBSR entsteht durch angeleitete Praxis, eine feste Gruppe und regelmäßiges Üben über acht Wochen – mit Audios und persönlicher Begleitung.