Freundlich mit sich – gerade wenn es schwer wird
Wenn wir scheitern oder leiden, schlagen wir uns selbst gegenüber oft einen Ton an, den wir keinem Freund gegenüber wählen würden. Selbstmitgefühl ist die trainierbare Fähigkeit, sich beizustehen – kein Selbstmitleid und keine Schwäche.
Selbstmitgefühl ruht auf drei Haltungen –
jede tritt an die Stelle eines vertrauten Reflexes.
Selbstmitgefühl heißt, sich selbst mit der gleichen Freundlichkeit zu begegnen wie einem guten Freund in Not – gerade dann, wenn etwas misslingt oder wehtut.
Drei Haltungen statt Selbstkritik
Sich in schweren Momenten zugewandt begegnen – statt sich zu verurteilen.
Erkennen: Scheitern und Schmerz gehören zum Menschsein. Man ist damit nicht allein – statt sich isoliert zu fühlen.
Schwierige Gefühle klar wahrnehmen, ohne von ihnen verschluckt zu werden – statt sich in ihnen zu verlieren.
Wichtig ist, was Selbstmitgefühl nicht ist: kein Selbstmitleid, kein Sich-hängen-lassen und keine Ausrede. Im Gegenteil – es gibt Halt, um Schwieriges überhaupt anschauen zu können.
Wo Achtsamkeit ansetzt
Achtsamkeit ist selbst eine der drei Komponenten – und die Übung, aus der die anderen wachsen. Wer lernt, das eigene Erleben freundlich und ohne Selbstverurteilung wahrzunehmen, übt Selbstmitgefühl ganz direkt.
Wie gut belegt ist das?
Der Zusammenhang ist gut belegt: Über zahlreiche Studien hinweg geht höheres Selbstmitgefühl mit deutlich weniger psychischer Belastung einher, und Selbstmitgefühls-Trainings verbessern in kontrollierten Studien mehrere Wohlbefindens-Maße.
Ehrliche Einordnung: Der Zusammenhang ist korrelativ – Selbstmitgefühl ist ein starker Begleiter psychischer Gesundheit, nicht bewiesenermaßen ihre alleinige Ursache. Und über die genaue Messung des Konstrukts (die Selbstmitgefühls-Skala) wird in der Fachwelt weiter diskutiert.